| Sonntag, 5. September 2010 |
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Burg Gutenberg – ein historischer Abriss


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Märchenhaft und mystisch, frei nach allen Seiten, thront Burg Gutenberg, das Balzner Wahrzeichen, auf einem 70 Meter hohen Felshügel über Balzers und dem Rheintal.
Das Areal des Burghügels mit der Burg und Gebiet des „Runden Büchels“ in Balzers sind Geschichtsträger. Reney Wyss bezeichnete diese 1978 in einem Artikel über die Ausgrabungen und Geschichte des Areals als eine der aussergewöhnlichsten prähistorischen Fundstätten im Alpenraum. Die Felsformation – auf der Westseite vom Rhein umspült und ansonsten von Riedgebiet umgeben – war Zielpunkt jungsteinzeitlicher Besiedlung.
Grosse Bedeutung aus archäologischer Sicht gewann der Gutenberghügel 1932/33 durch den Fund der sieben menschlichen Bronzestatuen und der beiden Tierfiguren, dem Eber und dem Hirsch. Herausragend ist der „Mars vom Gutenberg“ mit 12 cm Länge, der auch auf einer Briefmarke verewigt wurde und als Kopie den Dorfbrunnen von Balzers ziert. Sensationell war der Fund eines Tongefässes aus der so genannten „Rössener Kultur“, einer Keramik des mittleren Neolithikums (ca. 5000 v. Chr.), benannt nach dem Hauptfundort Rössen bei Merseburg in Mitteldeutschland.
Die Filmschaffenden Hermine Kindle de Contreras-Torres (†2001) und Miguel de Contreras-Torres erwarben Burg Gutenberg 1951 und waren die letzten privaten Besitzer. Aus deren Besitz erwarb 1979 das Land Liechtenstein unter Regierungschef Hans Brunhart das Areal. Die ehemalige Besitzerin behielt jedoch lebenslanges Wohnrecht.

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1982 wurden intensive archäologische Untersuchungen aufgenommen, die weitere Überraschungen ans Tageslicht brachten. Trotz baulicher Veränderungen während der letzten 900 Jahre konnten die zeitlichen Abläufe bestimmt werden. Das Mauerwerk an der Nordseite unter dem jetzigen Innenhof ist römischen Ursprungs, das Fundament bildete gar eine Trockenmauer aus der jüngeren Eisenzeit. Mehrere Münzfunde (geprägt ca. 350 n. Chr.) deuten auch auf einen möglichen römischen Wachposten hin.
Vor dem Bau der Trutzburg wurde der Platz des Burginnenhofes und andere Flächen des Burgareals als Bestattungsstelle genutzt. Die Burg selbst wurde erst im 12. Jahrhundert erbaut. 1314 ging die Burg in den Besitz der Habsburger über und wurde als Lehen als Wachposten gegen die Helvetier vergeben, die auf St. Luzisteig lagerten. In dieser Zeit wurde wahrscheinlich viel gekämpft, bedrängt, verteidigt, aber auch gefeiert und gesungen. Davon zeugt ein früherer Besitzer der Burg, der Minnesänger „Heinrich von Frauenberg“, vom dem fünf Lieder in der Manesse-Handschrift erhalten sind. Selbst Kaiser Maximilian I. nächtigte 1499 auf der Burg.
Von Interesse sind auch die Fundamente der 1780 abgetragenen und urkundlich belegten Kirche St. Donatus unter dem jetzigen Bühnenaufbau im Innenhof.
Nach dem Dorfbrand von 1795 wurde die Burg als Lieferant von Baumaterial zum Wiederaufbau des Dorfes benutzt und verfiel zur Ruine, bis Egon Rheinberger zwischen 1905 und 1912 die Burg erwarb und sie so restaurierte wie wir sie heute sehen und besuchen können.
Ereignisse wie die Freilichtspiele „Der letzte Gutenberger“ 1925 oder die Filmproduktion „Wilhelm Tell“ 1933 sind Beispiele der kulturellen Vergangenheit von Burg Gutenberg.
Quellen: Balzner Neujahrsblätter 1995, 1996; Sonderdruck „Archäologie Im Fürstentum Liechtenstein“; Ergrabene Geschichte 1985; „Emser Chronik 1616“; Beiträge zur Geschichte 842-1942, Franz Büchel.